Finanzen_des_Vatikans

Die Finanzen des Vatikans


Eine Glosse vom Oktober 2004

von KARL HOFFMANN

Mag der Vatikan auch die Bodenstation des Herrgotts sein, frei von Geldsorgen ist sie nicht. Weiß und Gelb sind die Farben des Papstes. Rot die Zahlen seiner Bilanzen.

Einnahmen des Vatikans 2002 216.575.034 Euro,

Ausgaben 230.081.756 Euro

Haushaltsdefizit 13.506.722 Euro.


Ein ziemlicher Berg Schulden, auch für einen Papst. Und das obwohl Gläubige in aller Welt immer wieder mal zusammenlegen. An Obolus oder auch Peterspfennig genannt kamen da immerhin 52.836.693 Dollar und 50 Cent zusammen, 1,8 Prozent mehr als im Vorfahr, aber immer noch zu wenig. Hat man da geschludert? Haben die päpstlichen Revisoren geschlafen, wurde da Geld verprasst, hat man sich wieder mal auf zwielichtige Finanzexperten eingelassen wie einst im fernen Jahre 1982?


Damals meldete das italienische Geldinstitut  Banco Ambrosiano den Konkurs an. Was keine größere Sensation gewesen wäre wenn nicht die gigantische Summe von 1, 4 Milliarden Dollar in den Kassen gefehlt hätte und die Bank nicht zufällig auch in engsten Geschäftsbeziehungen zum Institut für religiöse Werke gestanden hätte, das im Gegensatz zu seinem frommen Namen heimlich ganz unreligiöse und vor allem unsaubere Geschäfte getätigt hatte. Und zwar im Auftrag des Vatikans. Bankier des Herrgotts wurde Roberto Calvi, der Chef der Ambrosiano-Bank genannt, bevor die Killer der Mafia seinen Selbstmord besorgten. Calvi hatte Drogengelder der Mafia ebenso veruntreut wie den Obolus der katholischen Gläubigen.


Als das explosive Gemisch aus Bankern Bossen und Prälaten mit lautem Getöse in die Luft flog, herrschte sprachloses Staunen und peinliches Schweigen. Ein halbseidener Erzbischof verschwand hinter vatikanischen Mauern, unerreichbar für die weltliche Justiz Ungeklärt blieb die Frage, wo das Geld des Klerus, der Mafia und der Pleitebank geblieben war. Im Vatikan offenbar nicht, denn da ist ja Ebbe in der Kasse. Vorbei sind die Zeiten, als die Kirche der Staat war und selbst bestimmen konnte, wie viel Geld sie brauchte.


Heute muss sie nehmen, was sie kriegt. Offiziell gibt’s ja in Italien nicht mal Kirchensteuer. Die Milliarde, die der römische Finanzminister dem Vatikan jährlich überweist, ist eine beinahe freiwillige Spende der italienischen Steuerzahler. Zum Glück, denn sonst würden am Ende die 40.000 Priester in Italien noch am Bettelstab enden.


Der Vatikan kann sie jedenfalls nicht mehr bezahlen. Und wer ist schuld? Teure Reisen? Zuviel Champagner für die Staatsgäste? Arztkosten, Bankspesen , eine erdrückende Steuerlast? Beileibe nicht: Im Vatikan wird nicht geprasst und Steuern muss ein Staat nicht bezahlen, sondern er nimmt sie allenfalls ein. Warum also das gewaltige Finanzloch im Vatikan? Es ist nicht die Abkehr der Gläubigen von der Kirche , der Niedergang des Klerus und auch nicht der Beelzebub, sondern die allgemeine Weltwirtschaftskrise.


Einerseits sind seine Sinne gen Himmel gerichtet, anderseits steht der Vatikan mit beiden Beinen fest auf der Erde. Jesus hat die Geldwechsler aus dem Tempel getrieben, was eine nachhaltige Wirkung hatte: die Vatikanbank IOR befindet sich gut 50 Meter neben dem Petersdom aber sie existiert nach wie vor und versucht, die Schulden des Vatikans durch sehr weltliche Geldgeschäfte klein zu halten. Leider mit wenig Erfolg, eben wegen der Weltwirtschaftskrise. 13 Mio Euro bei Aktienspekulationen in den Sand gesetzt.


Das einzig sichere sind Immobilien, das weiss man auch im kleinsten Staat der Welt. Mieteinahmen 19.082.00 Euro , dank vermieterfreundlicher Mietgesetze mit steigender Tendenz. Und trotzdem reicht es nicht: soll er doch den Petersdom verkaufen, eifern die Antiklerikalen wenn sie vom finanziellen Gesundheitszustand des Papstes hören – als ob solch ein Riesenobjekt derzeit leicht an den Mann zu bringen wäre.


Wie sagte vor einiger Zeit der französische Kardinal Roger Etchegaray: „Aus der Kirche für die Armen muss eine Kirche werden, die selbst völlig arm ist. Nur eine arme Kirche kann wirklich ihre Mission erfüllen.“ Hätten Sie doch nur das Schweigen gewählt, Herr Kardinal und mit dessen Goldes Wert dazu beigetragen, das Soll des Papstes aufzufüllen.


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